Ja und Nein – Theaterstück für Menschen mit Behinderung

Geschrieben von Admin am . Veröffentlicht in Höhepunkte des Jahres 2017

Welches Gefühl ein Kopfmassagegerät bei jedem persönlich hervorruft, werden die Zuschauer gefragt.

Die Lebenshilfe e.V. Kreisvereinigung Mettmann lud ihre Bewohner am Dienstag zu einem pädagogischen Theaterstück ein, in dem das Recht auf körperliche Grenzen thematisiert wird. Veranstaltungsort war das Wohnheim der Lebenshilfe in Velbert.

„Wobei habt ihr denn ein Ja-Gefühl, also was mögt ihr gern?“, fragt die Schauspielerin Simone Heiser ihr Publikum und bekommt zum Beispiel Eis-Essen, Musikhören und Entspannen als Antworten. „Und wobei habt ihr ein Nein-Gefühl?“, fragt sie dann weiter und steigt damit direkt ins Thema des einstündigen, interaktiven Theaterstücks ein: über die eigenen körperlichen Grenzen zu bestimmen. Dieses Grundrecht bei Menschen mit Behinderung zu schärfen und sie für das Thema zu sensibilisieren, ist das Ziel des Theaterstücks „Ja! und Nein! und lass das sein!“ der theaterpädagogischen Werkstatt aus Osnabrück. Das zweiteilige Theaterprogramm wurde mit leichter Sprache und viel Interaktion speziell für Menschen mit Behinderung entwickelt.

Die Lebenshilfe hatte die Theatergruppe – bestehend aus den Schauspielern Simone Heiser und Stephan Tillmanns – eingeladen, um ihren Bewohnern das Recht zu vermitteln, über ihren Körper und ihre Sexualität zu bestimmen. Denn Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung werden immer noch häufig Opfer von sexuellem Missbrauch. Mit theaterpädagogischem Spiel wird gemeinsam die Erfahrung gemacht, dass jeder Mensch körperliche Grenzen hat. Auch Thomas Stumpf, Leiter des Wohnheims in Velbert, Wordenbecker Weg 47, war aufgefordert, während der Aufführung seine Grenzen deutlich zu machen, als ihn Stephan Tillmanns stürmisch umarmt – ohne vorher zu fragen. Die Aktion war jedoch im Vorhinein abgesprochen und Teil des Programms.

Das Duo brauchte keine große Bühne, um das Thema zu vermitteln. Zwischen den einzelnen Szenen suchte es immer wieder das Gespräch mit dem Publikum, das sofort die Szenen beurteilte und Verbesserungsvorschläge machte, wie die Protagonisten besser reagiert hätten. Thomas Stumpf zieht ein positives Fazit: „Alle Zuschauer haben sich auf jeweils unterschiedliche Weise rege beteiligt, die Darbietungsform war also sehr zielgruppenorientiert und passte. Es gab bei einigen Personen anschließend noch Gesprächsbedarf, um die Themen nachzubearbeiten.“ Das Publikum war begeistert und es zeigte sich, dass die eigenen Grenzen vielen sehr gut bekannt sind.